Sterbegeldversicherung berechnen
10. Dezember 2018

Wenn der Sterbegeldversicherer die Leistung verweigert

Leistung verweigert

Allein die Tatsache, dass ein Opfer einer Messerattacke nicht vor dem Täter geflohen ist, berechtigt einen Sterbegeldversicherer nicht dazu, seinen Hinterbliebenen die Leistung zu verweigern. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Osnabrück vom 28. April 2017 hervor (9 O 2863/16).

Der Entscheidung lag der Fall eines Mannes zugrunde, der bei dem beklagten Versicherer eine Sterbegeldversicherung über 20.000 Euro abgeschlossen hatte. Versichert war unter anderem der Tod durch einen Unfall. Im Jahr 2013 wurde der Versicherte im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses von einem Nachbarn mit einem Messer angegriffen. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er noch vor Ort verstarb.

Vorgeschichte

Der Attacke war ein schon seit Längerem anhaltender Streit vorausgegangen. Am Tattag war der Versicherte durch das Treppenhaus gegangen. Als er sich in Höhe der Wohnung seines Kontrahenten befand, stürmte dieser plötzlich auf ihn zu und schrie ihn, ein Messer in seiner Hand haltend, an. Er forderte den Versicherten dazu auf, zu verschwinden. Dieser kam der Aufforderung nicht nach. Er wurde daraufhin von seinem Nachbarn mehrfach in den Oberkörper gestochen.

Verweigerte Leistung

Als die Witwe des Opfers Leistungen aus der Sterbegeldversicherung beanspruchte, wurden ihr diese verweigert. Das begründete der Versicherer damit, dass sich der Versicherte, obwohl ihm ein Angriff drohte, nicht vom Ort des Geschehens entfernt hat. Sein Tod sei daher nicht plötzlich eingetreten.

Das Merkmal des Plötzlichen sei jedoch bedingungsgemäß zu erfüllen, um einen Anspruch auf die Todesfallleistung zu haben. Dieser Argumentation schlossen sich die Richter des Osnabrücker Landgerichts nicht an. Sie gaben der Klage der Witwe statt.

Unvorhersehbares Ereignis

Nach Ansicht des Gerichts hat der Versicherte einen tödlichen Unfall im Sinne der Versicherungs-Bedingungen erlitten. Denn um einen solchen würde es sich handeln, wenn die Gesundheit der versicherten Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig geschädigt werde.

Ein Schadenereignis sei bereits dann als „plötzlich“ im Sinne der Bedingungen anzusehen, wenn ein von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis objektiv innerhalb eines kurz bemessenen Zeitraums auf einen Versicherten Wirkung übt. In dem entschiedenen Fall sei dabei auf den Angriff mit dem Messer abzustellen und nicht darauf, was sich im Vorfeld ereignet habe.

Kurzer Zeitraum

„Denn hat sich das Geschehen innerhalb eines so kurzen Zeitraums verwirklicht, so geschieht dies nach höchstrichterlicher Rechtsprechung stets plötzlich, ohne dass es auf die Erwartung des Betroffenen und damit eine subjektive Sichtweise überhaupt ankommen würde“, so das Gericht.

In dem entschiedenen Fall habe der Versicherte zwar mit einer körperlichen Auseinandersetzung rechnen müssen. Er habe auch in Betracht ziehen müssen, dass dabei das sichtbare Messer zum Einsatz kommen könnte. Er habe aber nicht damit rechnen müssen, dass er tatsächlich mit dem Messer getroffen werden würde und dies zudem in einer tödlich endenden Art und Weise.

Zur Leistung verpflichtet

Es sei daher auch nicht entscheidend, dass sich der Versicherte möglicherweise freiwillig auf eine körperliche Auseinandersetzung eingelassen hatte, sondern nur, ob er die letztlich tödlichen Stichverletzungen unfreiwillig erlitten hat. Davon müsse ausgegangen werden. Denn andernfalls hätte er sich wohl auch gar nicht auf den Konflikt eingelassen.

Der Versicherungsnehmer habe zwar mit einer womöglich auch schwerwiegenden Verletzung durch das Messer rechnen müssen, nicht aber mit seinem eigenen Tod. Dass er dann tatsächlich dreimal mit dem Messer getroffen wurde und diesen Verletzungen letztlich erlag, ist offenkundig nicht von ihm erwartet worden.

Die Gesundheitsschädigung sei daher unfreiwillig im Sinne der Versicherungs-Bedingungen erfolgt. Infolgedessen ist der Sterbegeldversicherer der Witwe gegenüber zur Leistung verpflichtet.

Quelle: Versicherungsjournal, Versicherungen & Finanzen vom 10.12.2018, Wolfgang A. Leidigkeit

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