Sterbegeldversicherung berechnen

Sterbevierteljahr

Sterbevierteljahr

Der Begriff Sterbevierteljahr wird in der gesetzlichen Rentenversicherung verwendet. Synonyme sind „Sterbequartal“ und „Sterbeüberbrückungszeit“. Das Sterbevierteljahr bezeichnet den Zeitraum, in dem Witwen oder Witwer nach dem Tod ihres versicherten Ehepartners dessen Rente erhalten. Der Zeitraum startet am Todestag des Versicherten und endet zum folgenden dritten Kalendermonat. Die Auszahlung des Betrages soll den Hinterbliebenen den finanziellen Übergang sichern, da nach dem Tod des Ehepartners veränderte Verhältnisse eintreten. Der Anspruch auf das Sterbevierteljahr ergibt sich aus § 46 SGB VI. Obwohl der Begriff im Gesetzestext nicht im Wortlaut aufgeführt ist, ergibt sich dieser aus der praktischen Handhabung.

Wer hat Anspruch auf das Sterbevierteljahr?

Zunächst setzt das Sterbevierteljahr voraus, dass generell deutsche Rentenansprüche durch verstorbene Menschen erworben worden sind. Hierfür müssen mindestens fünf Jahre lang Beiträge bei der gesetzlichen Rentenversicherung geleistet worden sein. Erst dann tritt auch die Hinterbliebenenrente in Kraft. Hiervon sind wiederum alle die Personen betroffen, die in einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft lebten.

Für geschiedene Paare entfällt das Sterbevierteljahr, da statt der Hinterbliebenenrente nach Scheidungen ein gerichtlicher Versorgungsausgleich durchgeführt wird. Auch im Falle eines vereinbarten Rentensplittings entfällt das Sterbevierteljahr beim Tod des Ehepartners.

Das Antragsverfahren

Haben Verstorbene bereits eine eigene Rente bezogen, kann für die ersten drei Monate ein Vorschuss auf die Hinterbliebenenrente innerhalb von 30 Tagen nach Todesdatum beim Rentenservice der Deutschen Post AG beantragt werden. Er umfasst die volle Rente im Sterbevierteljahr, die dem nicht mehr lebenden Rentenbezieher zugestanden hätte.

Zur Vorlage bei der Post sind die Sterbeurkunde sowie ein Ausweis oder Reisepass des Antragstellers erforderlich. Ferner ist ein dafür vorgesehenes Formular auszufüllen, das in allen Postfilialen bereit liegt. Mit diesem besonderen Service wird eine rasche Auszahlung der Ansprüche aus dem Sterbevierteljahr gewährleistet. Er ersetzt jedoch nicht den regulären Antrag auf Witwenrente, der zusätzlich bei der Deutschen Rentenversicherung oder der zuständigen Gemeindeverwaltung zu stellen ist. Wer diesen Vorschuss direkt bei der Rentenversicherung beantragen möchte, muss mit einer erheblich längeren Wartezeit rechnen, bis er eine Antwort erhält.

Besonderheiten

Während des Sterbevierteljahres wird keine Einkommensanrechnung auf die Hinterbliebenenrente vorgenommen, § 97 I S.2 i.V.m. § 67 Nr.5, Nr. 6 SGB VI. Hinterbliebene sind auch Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, § 46 IV SGB VI. Bei der Auszahlung des Sterbevierteljahres werden weder Freibeträge noch die Einnahmen des Hinterbliebenen berücksichtigt.

Nach dem Sterbevierteljahr

Im vierten Monat setzt ganz normal die Witwen- bzw. Witwerrente ein. Wenn der überlebende Ehepartner mit dem Betrag die Bestattungskosten des Verstorbenen begleichen möchte, können die Zahlungen als Vorschuss geleistet werden. Für diesen Antrag ist der Rentenservice der Deutschen Post verantwortlich. Änderungsanzeigen können in einer beliebigen Filiale der Deutschen Post ausgefüllt werden. Dem Antrag muss eine Heirats- oder Partnerschaftsurkunde sowie eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde beigelegt werden. Die Rente wird ab dem Todestag des Verstorbenen gezahlt und danach zusätzlich für drei weitere Kalendermonate in Höhe von zwei Dritteln des Jahresarbeitsverdienstes.

Berechnung

Vom Sterbevierteljahr werden lediglich die letzten drei Monate der Auszahlung umfasst. Bei der Berechnung ist es egal, ob im Anschluss eine große oder kleine Witwer- bzw. Witwenrente ausbezahlt wird. Ein Kinderzuschuss bleibt bei der Auszahlung im Sterbevierteljahr unberücksichtigt. Der Rentenartfaktor beträgt bei der Witwer- bzw. Witwenrente 1,0 – nach dem Sterbevierteljahr nur noch 0,25 bei der kleinen Rente und 0,6 bei der großen Rente, § 67 SGB VI. Eine Sterbegeldversicherung ist eine gute Möglichkeit, die finanziellen Verpflichtungen einer würdevollen Bestattung zu erfüllen.

Wissenswertes zu Renten im Allgemeinen

Das Thema Rente ist ein umfangreiches Fachgebiet, das immer wieder geändert oder reformiert wird. Auch die zahlreichen anderen Rentenarten wie Vollrente, Teilrente, Altersrente oder Erwerbsminderungsrente (§ 74 SGB 7) und Mütterrente stellen sowohl Beitragszahler als auch Hinterbliebene vor viele ungelöste Fragen. Als sicher gilt jedoch: Wer seine volle Altersrente beziehen möchte, muss nach der jüngsten Rentenreform immer länger arbeiten. Dies betrifft daher in extremem Maße alle jungen Menschen, die vielleicht erst 2016 in das Berufsleben einsteigen.

Aber auch die Witwenrente wurde seit 2012 nicht nur stufenweise angehoben, sondern sieht auch eigene Freigrenzen vor. Liegt das Einkommen einer Witwe also über dieser bestimmten Grenze, reduziert sich automatisch ihre Rente als Hinterbliebene.

Im Gegenzug gibt es leider auch viele Menschen, die von ihrer Rente nicht leben können und gezwungen sind, entweder einen Minijob auszuüben oder aber einen Antrag auf zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt zu stellen. Tröstlich mag hier jedoch sein, dass die Renten ab Juli 2016 zwischen vier und fünf Prozent steigen werden. Dies kommt natürlich auch Witwen und Witwern zu Gute. Für die junge Generation bedeutet dies wiederum noch mehr Abzüge und eine deutliche längere Zeit, bis sie in den Genuss ihrer eigenen Rente kommen werden.

Allen jungen Menschen ist daher zu empfehlen, auch bei Zusatzeinkommen wie Minijobs Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen. Dies sind nur geringe Kosten, die sich jedoch im Laufe vieler Jahre auf dem Rentenkonto positiv auswirken. Denn erst nach einer gewissen Einzahlungsdauer des Versicherten in die gesetzliche Rentenversicherung besteht für die angehörige Person auch ein Anspruch auf das Sterbevierteljahr.

2 Antworten zu “Sterbevierteljahr”

  1. Mariya Bron sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Mein Mann in Dezember 2017 ist gestorben. Nach Gesetz: „In den ersten drei Monaten nach dem Tod des verstorbenen Partners wird kein Einkommen auf die Witwenrente angerechnet. Im Sterbevierteljahr erhält der Hinterbliebene drei Monate lang die gesetzliche Rente des Verstorbenen ohne Abzüge. Während des Sterbevierteljahres findet keine Einkommensanrechnung auf die Hinterbliebenenrente statt (§ 97 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 67 Nr. 5 bzw. 6 SGB VI). Im sogenannten Sterbevierteljahr werden auch die Einkünfte der Witwe oder des Witwers nicht verrechnet.“ Die Rentenversicherung geht davon aus, dass der Betrag Sterbevierteljahr Einkommen ist. Daher wurde die Rentenversicherung ein Betrag von Sterbevierteljahr im April 2018 der Krankenkasse überwiesen. Ich habe eine Rentenversicherung meinen Widerspruch von 16.04.2018 geschickt und die Antwort hierzu noch aussteht. Ich habe eine Frage: Muss ich die Krankenkasse von Betrag Sterbevierteljahr bezahlen? Ich bitte Sie, mit meiner Frage zu helfen. Vielen Dank voraus.
    Mit freundlichen Grüßen Mariya Bron 66117 Saarbrücken

    • Peter Filip sagt:

      Sehr geehrte Frau Bron,

      vielen Dank für Ihre Anfrage verbunden mit der Bitte um Entschuldigung für meine (urlaubsbedingt) verspätete Antwort. Sehr wahrscheinlich hat die Rentenversicherung (leider) korrekt gehandelt. Haben Sie im Sterbevierteljahr weiteres Einkommen erzielt (z.B. eigene Rente bekommen), wird dies nicht auf die in diesem Zeitraum gezahlte Hinterbliebenenrente angerechnet. Das ist mit Auszahlung der Hinterbliebenenrente „ohne Abzüge“ gemeint (…jetzt kommt das „aber“). Aber es handelt sich um Einkommen, das sozialversicherungspflichtig ist. Ihre Rentenversicherung leitet also die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung automatisch an die Krankenkasse weiter. Fazit: Die im Sterbevierteljahr gezahlte Hinterbliebenenrente wird ohne Anrechnung weiteren Einkommens berechnet (das meint der Passus „ohne Abzug“) und dann nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge auf Ihr Konto überwiesen. Daher kommt vermutlich der von Ihnen beschriebene Betrag an die Krankenkasse.

      Vielen Dank, viele Grüße und alles, alles Gute für Sie wünscht

      Peter Filip

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