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Leichengift

Leichengift gibt es nicht

Als Leichengift werden ungiftiges Putrescin, Cadaverin und biogene Amine bezeichnet. Diese entstehen bei der Zersetzung von Leichen und resultieren aus der Fäulnis von Proteinen beim Verwesungsprozess.

Grundwissen über Leichengifte

Der Begriff „Leichengift“ wird Personen ins Gedächtnis gerufen, die das erste Mal mit einer Leiche konfrontiert werden. In früheren Zeiten dachte die Bevölkerung, dass Leichen ein Gift ausströmen. Lebenden können sich natürlich an Leichen infizieren – wenn die Hinterbliebenen an einer Infektionskrankheit verstorben sind. Leichname, bei denen die Diagnose „Herzversagen“ gegeben ist, könnten theoretisch ansteckend sein. Denn die Diagnose bezieht sich schließlich nicht auf die Ursache, die der tödlichen Krankheit zugrunde liegt, sondern auf die Todesart.

Da Bestatter im Krankenhaus OP-Nadeln und Schläuche entfernen müssen und Unfalltote besonders häufig offene Wunden haben, tragen diese aus Prinzip Gummihandschuhe. Dies sagt jedoch nichts über mögliche Infektionen aus. Die gleiche Vorsichtsmaßnahme wird von Rettungssanitätern angewandt. Leichname haben keine giftigen Eigenschaften und strömen keine Leichengifte aus. Verstorbene Angehörige können problemlos geküsst, gestreichelt und angefasst werden. Ein kürzlich Verstorbener ist auch nicht steif oder kalt, sondern erscheint ruhig und friedlich.

Eine irreführende Bezeichnung

Leichengifte sind nichts anderes als Proteine, die bakteriell zersetzt werden und den typischen Verwesungsgeruch von Leichen entstehen lassen. Dabei sind auch Schwefelverbindungen wie beispielsweise Schwefelwasserstoff von Relevanz. Diese sind an sich giftig, liegen aber nicht in ausreichender Konzentration vor. Der Verwesungsprozess des menschlichen Körpers beginnt je nach Vorgeschichte früher oder später – aber keinesfalls derart rapide, dass die Leiche Gifte ausströmen könnte.

Nach dem Eintritt des Todes stoppt der Kreislauf von Körperflüssigkeiten. Dies führt dazu, dass Keime und Bakterien nicht mehr abgebaut, bekämpft oder ausgeschieden werden. Die Bakterien beginnen mit der Zersetzung von Bindegewebe, Eiweißen und Fetten. Als Abbauprodukt tritt „Leichenwasser“ aus dem Körper. Dies passiert aber erst viele Tage nach dem Tod des Verstorbenen. Die Verwesung setzt schneller ein, wenn der Körper zu Lebzeiten schweren Erkrankungen, starken Medikamenten oder einer Chemotherapie ausgesetzt wurde.

Im Mittelalter versuchte man das Wasser von Gewässern und Brunnen durch Leichen zu vergiften. Dabei strömten aber keine Leichengifte aus, sondern die Bakterien und Keime, die sich im Körper der Verstorbenen verbreiteten.

Fazit: Das Leichengift ist kein Gift und als solches auch nicht ansteckend. Lediglich die austretenden Bakterien können, über das Wasser aufgenommen, zu Infektionen und Erkrankungen führen.